Projekt

Minikameras erobern den Markt

Gefördert vom Bundesministerium für Forschung und BildungFür eine neue Generation von vernetzten Miniaturcomputern mit Bild- und Tonerfassungsfunktion werden große Marktchancen vorhergesagt. Kontinuierlich mit dem Internet verbundene „Smart Cams“, die in Brillen, Schmuckstücken, Ansteckern, Helmen oder als Dash Cam in der Frontscheibe eines Fahrzeugs verborgen arbeiten, könnten schon bald das öffentliche Leben allgegenwärtig digitalisieren. Bekanntestes Beispiel ist die „Datenbrille“ Google Glass. Bei diesem Gerät kommt zur vernetzten Bild- und Tonerfassung die Besonderheit, dass sich ein Display ständig im Blickfeld des Nutzers befindet. Dort können Informationen zur erfassten Umwelt (Gegenstände und Personen) aus dem Internet eingeblendet werden. Im Zusammenhang mit einer elektronischen Gesichtserkennung ist es auch möglich, Bild- und Tondaten zu personalisieren, so dass sie mit anderen Informationen über die abgebildete Person verknüpft werden können.

Neue Technik bietet Chancen, schafft aber auch Risiken

Durch die beschriebene Technik ergibt sich eine Vielzahl von Chancen und Risiken mit großem Konfliktpotenzial für die Gesellschaft. Interessante Anwendungschancen bestehen in verschiedenen beruflichen Tätigkeiten und Ausbildungssituationen. Die bedeutendsten Risiken drohen jedoch im Falle einer verbreiteten Anwendung im öffentlichen Raum. Auch hier bestehen interessante Chancen für die Anwender. Diesen steht jedoch die Gefahr schwerwiegender Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte der – i.d.R. unbemerkt – von Bild- bzw. Tonaufnahmen Erfassten gegenüber.

Der öffentliche Raum (Marktplatz, Parkplatz, Fußgängerzone, Volksfest, Campus, Sportveranstaltung, öffentliche Verkehrsmittel usw.) droht sich in einen visuell und auditiv überwachten Raum zu verwandeln, wobei die weitere Verwendung und Verknüpfung der erfassten Daten für die Betroffenen völlig unkalkulierbar ist.

Erforschen rechtlicher Regelungserfordernisse

Wegen dieser besonderen, qualitativ neuen Risikolage soll sich das vorliegende Forschungsvorhaben auf die Anwendung der beschriebenen Technik im öffentlichen Raum konzentrieren – unabhängig davon, ob private, berufliche oder staatliche Zwecke dahinter stehen. Zentrales Ziel des Vorhabens ist es, unter Betrachtung verfassungsrechtlicher Anforderungen und technischer Gestaltungsmöglichkeiten rechtliche Regelungserfordernisse zu bestimmen und Regelungsmöglichkeiten zur sozialverträglichen Beherrschung der Risiken einer öffentlichen Nutzung von „Smart Cams“ aufzuzeigen.